Lea von Bidder ist «HSG Gründerin des Jahres 2017»

Während des «Entrepreneurship Day» am Freitag, 24. März 2017, ist Lea von Bidder stellvertretend für das Unternehmen «Ava» zur «HSG Gründerin des Jahres 2017» gekürt worden. Der Preis der Werner Jackstädt-Stiftung ist mit 10'000 Schweizer Franken dotiert. Der «Entrepreneurship Day» ist Teil der Veranstaltungsreihe «HSG Gründergarage» und fand dieses Jahr wieder im Rahmen des Gründerkongresses «Start Summit» statt.

Lea von Bidder hat mit ihrem Team ein Armband entwickelt, welches die fruchtbaren Tage bei Frauen erkennen soll. Es hilft, bei Kinderwunsch den idealen Zeitpunkt für die Empfängnis zu erkennen. Das Armband muss dafür nachts am Handgelenk getragen und am kommenden Morgen mit einer dazugehörigen App synchronisiert werden. Es zeigt dann an, in welcher Phase des Zyklus die Frau sich gerade befindet. «Unsere Technologie misst neun Parameter, mit welchen wir Veränderungen bei den zyklusrelevanten Hormonen Estradiol und Progesteron erkennen», erklärt von Bidder. «So kann die Armbandträgerin rasch die fruchtbare Phase erkennen.» Von Bidder gründete Ava gemeinsam mit Philipp Tholen, Peter Stein und Pascal König. Mit der Universitätsklinik in Zürich haben sie eine staatlich geförderte Studie durchgeführt, um das Kinderwunsch-Armband auf Basis solider wissenschaftlicher Erkenntnisse zu entwickeln. Im Herbst 2016 erhielt Ava mehr als neun Millionen US-Dollar. Zu den Geldgebern des Startups zählen die Schweizer Investoren Polytech Ecosystem Ventures und Swisscom.

Die Jury-Mitglieder des Gründerwettbewerbs 2017

  • Prof. Dietmar Grichnik, Professor für Entrepreneurship an der HSG
  • Dr. Charlotta Sirén, Assisstenzprofessorin für strategisches Entrepreneurship
  • Diego Probst, Leiter Startup@HSG
  • Manuel Hess, Gründercoach und Mitarbeiter im Bereich Startup@HSG

HSG Gründergarage

Der «Entrepreneurship Day» ist Teil der Veranstaltungsreihe «HSG Gründergarage» und fand dieses Jahr wieder im Rahmen des Gründerkongresses «Start Summit» statt. In Workshops und Vorträgen bietet das Format Firmengründenden, Investoren und Studierenden Raum für Ideen- und Erfahrungsaustausch auf dem Campus der Universität St.Gallen und auf dem Areal der Olma-Messe St.Gallen.

HSG Gründerinnen und Gründer des Jahres 2011 bis 2017

  • «on»-Laufschuh-Erfinder Caspar Coppetti (2016)
  • Laura Behrens Wu (2015), Gründerin des Versandsoftware-Unternehmens «Shippo»
  • Alexander Graubner-Müller (2014), Gründer der Minikredite-Plattform «Kreditech»
  • «Soma Analytics»-Gründer Johann Huber (2013) mit seiner Anti-Stress-App
  • «DeinDeal.ch»-Gründer Adrian Locher (2012)
  • Dr. Alexander Ilic (2011), Gründer der Scanner-Computermaus-Firma Dacuda

Weitere Informationen zum Programm finden Sie unter: www.startuphsg.ch

 


Raus aus dem Elfenbeinturm und rein in die Startupwelt

Die eigene Idee innerhalb von einer Woche entwickeln, validieren, Kundenbedürfnisse abholen, anpassen – das war Ziel des “High Tech Startup Management” Kurses, der von der ETH in Zusammenarbeit mit der HSG, erstmals in Kooperation mit dem Kickbox Team von Swisscom durchgeführt wurde. Mit Erfolg, wie sich herausstellte.

Insgesamt 14 ETH- und 15 HSG-Studierende hatten sich einen der begehrten Plätze im universitätsübergreifenden Kurs “High Tech Startup Management”, geleitet von den renommierten Professoren Prof. Dr. Bart Clarysse (ETH) und Prof. Dr. Dietmar Grichnik (HSG), ergattert. In 4 intensiven Kurstagen entwickelten die Studierenden in 7 Teams ihre Produktideen, führten Markanalysen und Smoke-Tests durch, nahmen mit potenziellen Kunden und Partnern Kontakt auf und testeten ihre Produkte mittels Websites und Anzeigen im Internet. Support erhielten sie von den beiden Professoren ebenso wie von unseren Kickbox-Experten, die sie während der Tage coachten.

Die Resultate, zu welchen die Studierenden innerhalb einer Woche gelangten, sind erstaunlich: Von Geschäftsmodellen, die die aktuell in der Startupszene sehr beliebten Coworking Spaces besser mit ihrem Zielpublikum vernetzen und auf sie abstimmen über Schlafüberwachungstools, welche mithilfe von Algorithmen kostengünstig klinische Erkenntnisse zu Schlafstörungen liefern bis hin zu Apps, die Asylsuchenden die Jobsuche erleichtern – die Kickboxer deckten ein breites Spektrum an Ideen ab. Dazu war es ihnen gelungen, ihre Produkte erfolgreich zu validieren, Kunden und Partner an Bord zu holen und sogar bis zu einer halben Million Leute via Anzeigen und Websites zu erreichen.

Das ist eindrücklich, zumal die Studierenden lediglich eine Woche Zeit hatten, meint auch David Hengartner, Initiant des Kickbox-Programms innerhalb von Swisscom. Zusammen mit ETH und HSG hat er das Konzept für den Kurs mit der Kickbox ins Leben gerufen: “Ich bin beindruckt, wie viel in so kurzer Zeit entstanden ist. Mit diesem Pilotprojekt wollten wir testen, ob man ein Innovationsprogramm wie die Kickbox auch auf externen Ideen anwenden kann. Wie sich gezeigt hat, funktioniert das sehr gut. Zudem wird Open Innovation für die Kickbox immer wichtiger. Nach dem erfolgreichen Pilot sind wir mit Swisspreneur bereits in der Planung von weiteren Angeboten und Kursen rund um die Kickbox an Universitäten und Fachhochschulen – mehr dazu bald!”

Aber auch die Teilnehmenden selbst waren überzeugt. Timarian Rust, der an der HSG einen Master in Unternehmensführung absolviert, meint: “Die Kickbox ist ein cooles Programm. Die Unterstützung der Coaches vonseiten Swisscom und natürlich auch die finanzielle Unterstützung stellte sich als enorm hilfreich heraus. Zeitlich war der Kurs sehr intensiv und hat mir persönlich, der bisher mit der Materie noch nicht so vertraut war, viel gebracht.” Und auch Alice Martin, im Master Management, Organisation und Kultur nimmt einiges aus dem Kurs mit: “Die Kickbox war ein totaler Boost, mal etwas auszuprobieren, anzupacken und alles zu investieren. Man setzt Ideen effektiv um und bleibt nicht nur bei deren theoretischen Beschreibung. Wir sind praktisch bei null gestartet und konnten neben der Entwicklung der Idee viele Kontakte knüpfen und sind auf Begeisterung gestossen, was ein schöner Nebeneffekt dieser Woche darstellt.”

Rückblickend also ein überraschend guter Fit, wie auch Bart Clarysse bestätigt: “An der ETH haben wir die Techies, die Nerds, auf der anderen Seite die eher business-getriebenen HSG Leute. Die Kickbox von Swisscom war ideal, um diese Hands-on Mentalität in unserem universitären, analytischen Denken zu verankern. Es war essenziell, dass die Studierenden gezwungen waren, sich mit der Aussenwelt zu befassen, rauszugehen, Leute zu befragen, Dinge effektiv umzusetzen – sich die Hände schmutzig zu machen, denn nur so kommt man zum Erfolg.”

Und was bleibt? Einige der Studierenden sind überzeugt, ihre Ideen künftig weiterzuverfolgen und bald Teil eines Startups zu werden. Dafür wurden sie am Ende des Kurses auf diverse Pitching-Trainings, Wettbewerbe und Programme hingewiesen. Eines davon ist das Summerpreneurship, ein Sommerpraktikum, das unternehmerische Studierende mit passionierten Startups zusammenbringt und welches man unter anderem in Swisscom’s Pirates Hub, wo die Kickbox entstanden ist, absolvieren kann.

von Pia Schneider, Swisscom

http://ict.swisscom.ch/2017/03/kickbox-goes-university-hands-on-startup-erfahrung-fuer-studierende/


High-Tech Startup Management Graduates 2017

In 2017, the format allowed 30 students to form 7 teams, which had been supported over 4 days on site with intensive coaching, guest lectures, and input sessions to build, test and evaluate prototypes within one week. The interdisciplinary teams from HSG and ETH presented business concepts based on the HSG Startup Navigator. Among the guest lecturers had been Dr. Caspar Coppetti, winner of the HSG Founder of the Year Award 2016 with the running shoe firm “On”, Simon Schminke, Partner at VC firm Creandum, and Martin Jaser, co-founder of Büffel Bill and course Alumnus. The prototyping sessions had been supported by Swisscom Pirates Hub. We congratulate all 7 teams to their efforts and investor-type pitches in front of an expert jury with participants from the “Institut für Jungunternehmen” (IFJ), Swisscom Pirates Hub, Startfeld and Startup@HSG.


Snap IPO: Valuation and Multiples Compared to Recent Unicorn Exits

Find the original article of CB Insights here.

Snap Inc. (the parent company of Snapchat) priced its IPO yesterday evening ahead of entering the public markets today. Pricing their 200M share offering at $17 a share, the total offering equaled $3.4B and gave Snap, Inc. a market cap of $23.6B on a fully-diluted basis. This represents the largest IPO of a US-based tech company since Facebook in 2012. We dug into the numbers to examine how Snap’s exit compares to those of other social and messaging properties and also compared Snap to comparable companies at the time they entered the public markets.

 

We also used CB Insights’ Enhanced Valuation capability to track Snap, Inc. and its historical value rise against other high-flying unicorns, tracked the company’s private market metrics relative to its peers, and benchmarked the company’s IPO valuation against comparable social media companies (on price-to-sales, price-to-user and total valuation bases).Exit valuations

Compared to other social media and messaging companies that exited after 1999, Snap, Inc. has the highest valuation at exit since Facebook went public in 2012, narrowly beating out WhatsApp’s acquisition valuation of $22B.

Afterall, the Snapchat IPO may lead to a $1.5B exit for Lightspeed Venture Partners' $8M investment into the company.


About the darkside of being an entrepreneur

The Psychological Price of Entrepreneurship
No one said building a company is easy. But it's time to be honest about how brutal it really is -- and the price so many founders secretly pay.

ITEM-HSG proudly presents: Dacuda`s Asset Deal with Silicon Valley Firm

Dacuda has sold its 3D division to an American high tech company. LinkedIn profiles and other information lead to the conclusion that the buyer is the VR unicorn Magic Leap.

Over the last years Dacuda has invested heavily in 3D camera technology and software with the goal to bring 3D capturing to every consumer by making 3D content creation as easy as taking a video. One amazing result was a software that runs on a smartphone and delivers at the same time an immersive virtual reality experience like high end headsets. The strategy has paid off: The ETH spin-off has sold its 3D unit to Magic Leap.

Magic Leap has raised more than more than $1 billion from the likes Google and Alibaba for the development of augmented reality smartglasses. However recently the company hit the headlines after Business Insider published a leaked picture of a prototype which is “a long way from being a market-ready product”. Adding Dacuda’s technology might be an important step for Magic Leap.

The name of the buyer is not officially confirmed by Dacuda but according to his LinkedIn profile Alexander Ilic, founder and longtime President and CTO of Dacuda is now GM Switzerland & Senior Director SW Engineering at Magic Leap.

After selling the 3D business, Dacuda is refocusing its product portfolio on their well known and profitable Productivity Solutions. Dacuda boasts a successful eight year track record in B2B solutions, with products such as the world’s first Scanner Mouse and the world’s fastest mobile ID Reader. The customers of Dacuda are active in a broad area of high growth industries like Telecommunication, e-Banking, e-Government and Transportation, applying Dacuda software solutions to ‘read’ content in the fastest way for further integration into a customer oriented end-to-end solution. Dacuda partners include well known players such as Sunrise, Crealogix, Unisys, and SITA. “We are excited about this update of our business strategy, as it allows us to refocus our activities for immediate customer benefit and expand our role as a long term partner for companies who are looking for efficiency and productivity gains”, says Michael Born, Founder of Dacuda.

Stefan Kyora

15.02.2017, Startupticker.ch

http://startupticker.ch/en/news/february-2017/magic-leap-buys-dacuda-s-3d-division


My Startup of the Month: Cofoundme

Entrepreneurship network platform is expanding

The Swiss start-up platform cofoundme.ch welcomes its 7’400 user in the network in February 2017.

The joint venture between the ETH Entrepreneur Club and students from the University of St. Gallen is rapidly growing its user base and now wants to expand Switzerland-wide.

„Matching skills with ideas“ is the slogan of the social network, which wants to support the development of Switzerland as an innovation hub. The platform offers founders the opportunity to get matched with and connected to potential co-founders. Existing start-ups and ventures in later stages of their development may also benefit from the service by finding skilled talent for their vacancies, e.g. a skilled IT developer to rebuild their web presence. cofoundme offers superior matching by its algorithm comparing job requirements of founders and start-ups with skills of potential co-founders and talents. The service is offered free of charge and social ventures and initiatives are also welcomed on the platform.

cofoundme has realised constant user growth rates of up to 20% monthly for one and a half years. After the successful Proof of Concept the start-up now wants to expand to all major Swiss universities and higher education institutes by fostering a network of universities and so-called « ambassadors ». In any case, there is no doubt about the potential for such a growth step: Co-founders are needed not just in St. Gallen or Zurich, but in other regions of Switzerland as well. In the end, cofoundme wants to connect everyone with the idea of entrepreneurship. Through a strong network of partners in all stages of founding, such a vision could become reality.


Die Superpreneure versuchen nicht, die Zukunft vorauszusagen, sondern die Zukunft in dem identifizierten Ausschnitt der Realität, in dem es das erkannte Problem auf neue Art zu lösen gilt, zu beeinflussen.

Mythos "Gründer brauchen finazielle Hilfe" - Im Gespräch mit der Wirtschaftswoche

13.1.2017/WirtschaftsWoche 3/© Handelsblatt

Fünf Mythen über Gründer
UNTERNEHMERTUM
: Erfolgreiche Gründer sind jung,
lieben das Risiko und haben schräge
Lebensläufe – stimmt das wirklich?
Was hinter typischen Vorurteilen steckt.
Stellen Sie sich jemanden vor, der gerade
ein Unternehmen gründet. Wen sehen
Sie? Einen jungen Mann mit Kapuzenpulli,
der im Schein seines Laptop-Bildschirms
das nächste große Ding programmiert?
Oder eine Mutter, die sich nach Jahren
des Angestelltendaseins selbstständig
macht, weil sie eine Nische gefunden hat?
Es gibt kaum einen Beruf, um den sich so
viele Mythen ranken wie das Unternehmertum.
Universitäten füllen ihre Lehrpläne mit
Entrepreneurship-Kursen, Journalisten jubeln
über die neue Gründerzeit, im Privatfernsehen
pitchen Start-ups ihre Ideen zur
besten Sendezeit. Aber was ist dran an all
den Vorstellungen, die Menschen vom
Gründen haben? Ein Überblick über fünf
gängige Vorurteile – und wie es wirklich ist.
1. Gründer sind jung
Ein Mythos hält sich immer dann besonders
hartnäckig, wenn er einen echten Helden
hervorbringt. So wie Mark Zuckerberg. Der
Facebook-Chef gründete sein Unternehmen
schon mit 19 und brach sein Harvard-Studium
ab, um vier Jahre später jüngster Selfmade-
Milliardär der Welt zu werden.
Seitdem gilt er als Ikone einer neuen Generation
von Gründern, deren Geburtsjahr
scheinbar der entscheidende Wettbewerbsvorteil
ist. „Junge Menschen sind einfach
schlauer“, sagte Zuckerberg einmal. Nun
gut: Steve Jobs, Bill Gates, Michael Dell,
Walt Disney – sie alle haben ihre Firma lange
vor dem 23. Geburtstag gegründet. Aber
zählt Erfahrung gar nichts? Ist jugendlicher
Leichtsinn ein gutes Geschäftsmodell?
Mitnichten.
Das Durchschnittsalter der deutschen Unternehmensgründer
liegt bei exakt 38,6 Jahren.
Diese Zahl haben Wissenschaftler des
Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
(IAB) in einer Studie ermittelt, die
Ende des vergangenen Jahres erschien. Sie
basiert auf Ergebnissen des Global Entrepreneurship
Monitors. Die untersuchten
Gründer sind entweder gerade dabei, ein
Unternehmen zu gründen, oder haben das
in den vergangenen dreieinhalb Jahren bereits
getan.
„Ältere und erfahrene Menschen bringen
gute Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung
mit“, sagt Arbeitsmarktforscher
Udo Brixy vom IAB. Ein Beispiel dafür
seien Mütter und Väter, die nach der Babypause
wieder zurück ins Berufsleben wollen
– nach der Familiengründung könnte dann
das erste eigene Unternehmen folgen.
Aber warum macht Erfahrung erfolgreich?
Vivek Wadhwa, Unternehmer und Wissenschaftler
an der Duke-Universität in North
Carolina, erforscht die Lebensläufe von
Gründern. Er fand in einer Befragung unter
549 amerikanischen Entrepreneuren aus
zwölf verschiedenen Industrien heraus:
Rund 70 Prozent entstammen der Mittelschicht,
sind verheiratet und haben mindestens
sechs Jahre Berufserfahrung als
Angestellte. Sechs von zehn der Befragten
hatten mindestens ein Kind. Wadhwa leitet
aus seinen Forschungsergebnissen einen
Dreischritt ab, der den Erfolg des Alters erklären
könnte: „Ideen entstehen aus Bedürfnissen.
Um Bedürfnisse zu verstehen,
braucht man Erfahrung – und die kommt
im Alter.“
Das lässt sich auch auf prominente Pioniere
übertragen. Die größten Innovationen von
Steve Jobs kamen auf den Markt, als er
schon Mitte 40 war.
2. Gründer sind Studienabbrecher
Was haben Medienmogulin Oprah Winfrey,
Modezar Ralph Lauren und Spotify-
Gründer Daniel Ek gemeinsam? Alle sind
erfolgreiche Unternehmer, keiner von ihnen
hat die Universität abgeschlossen. Aber Vorsicht
vor Fehlschlüssen: Wer jetzt überlegt,
schnell die Exmatrikulationsbescheinigung
auszufüllen und statt der Bachelor-Arbeit
lieber einen Businessplan zu schreiben,
sollte vorher einen Blick in die Forschung
werfen. Lassen Sie sich bloß nicht von anekdotischer
Evidenz blenden!
Der Wirtschaftswissenschaftler Guido
Bünstorf vom Max-Planck-Institut für Ökonomik
hat untersucht, ob Studienabbrecher
erfolgreicher gründen als Absolventen. Gemeinsam
mit zwei skandinavischen Kollegen
wertete er dänische Arbeitsmarktdaten
aus den Jahren 1994 bis 2007 aus. Und siehe
da: Drei Jahre nach Verlassen der Hochschule
hatten sich 2,4 Prozent der Abbrecher
selbstständig gemacht, bei den Absolventen
waren es nur 1,5 Prozent.
Allerdings scheinen Menschen mit Diplom
trotzdem die besseren Unternehmer zu sein:
Der Umsatz im ersten Gründungsjahr war
bei den Firmen der Absolventen im Schnitt
um ein Drittel höher als bei den Abbrechern.
„Unsere Untersuchung liefert keine Anhaltspunkte
für die These, dass Erfolgsgeschichten
wie die von Steve Jobs oder Mark
Zuckerberg typisch für Studienabbrecher
sind“, sagt Bünstorf.
Der britische Arbeitsökonom David Blanchflower
hat zudem herausgefunden, dass zumindest
in den USA die Chance auf Selbstständigkeit
ansteigt, je gebildeter jemand ist.
Die höchste Wahrscheinlichkeit haben
demnach Master-Absolventen oder Men-

„Ideen entstehen aus
Bedürfnissen. Um Bedürfnisse
zu verstehen,
braucht man Erfahrung
– die kommt im Alter“
Vivek Wadhwa, Dozent an der
amerikanischen Duke-Universität

schen mit einem vergleichbaren akademischen
Abschluss.
In dem Buch „The Illusions of Entrepreneurship“
bringt der amerikanische BWLProfessor
Scott Shane die Erkenntnisse der
Forschung auf den Punkt: „Wenn Sie Unternehmer
werden wollen, dann gehen Sie zur
Uni.“ Allerdings sollten angehende Gründer
auf einen Doktortitel eher verzichten. „Mit
so viel Bildung werden sie dann vermutlich
eher ein nerdiger Professor wie ich“,
schreibt Shane, „der vom Gründen spricht,
anstatt es zu tun.“
3. Gründer brauchen finanzielle Hilfe
Dieser Mythos verfügt sogar über ein eigenes
Maskottchen, das passenderweise aus
der Familie der Fabelwesen stammt: das
Einhorn. Wer die einschlägigen Fachmedien
über die Gründerszene verfolgt, könnte den
Eindruck bekommen, dass unter den Unternehmern
das Jagdfieber ausgebrochen ist.
Denn es vergeht kaum ein Tag ohne einen
Artikel rund um die Frage, welches Start-up
dank der nächsten großen Finanzierungsrunde
eine Milliardenbewertung erreicht
und sich damit zum Club der „Unicorns“
zählen darf.
Die Schlagzeilen über üppige Kapitalrunden
zeichnen das Bild von Unternehmern, die
nur dank externem Geld ihren Beruf ausüben
können. Doch das Einhorn als solches
frisst nicht nur Unmengen an Kapital, sondern
ist auch höchst selten.
Die meisten Gründer investieren zunächst
einmal ihr eigenes Geld. Der Deutsche Startup
Monitor – eine jährliche Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
KPMG – hat im
vorvergangenen Jahr 1224 deutsche Startups
nach der Herkunft ihres Kapitals gefragt.
84 Prozent nutzen die eigenen Ersparnisse
als Finanzierungsquelle, knapp ein
Drittel bekommt Geld von Freunden oder
der Familie. Und eines von fünf Start-ups
finanziert sich sogar ausschließlich aus
eigenen Erlösen. Die Finanzierung durch
Venture Capital, Business Angels oder Inkubatoren
dagegen ist rückläufig.
Interessant ist außerdem, wie gering der Finanzierungsbedarf
bei Gründern generell
ist. Knapp 30 Prozent kommen derzeit mit
weniger als 50 000 Euro externem Kapital
aus. Bootstrapping, also die Finanzierung
des eigenen Unternehmens ohne fremdes
Geld, liegt im Trend.
„Zum Gründen braucht man zu Beginn erst
mal gar kein Kapital“, sagt Dietmar Grichnik,
Professor für Entrepreneurship an der
Schweizer Universität St. Gallen. Viel Geld
brauche ein Start-up erst, wenn es stark
wachsen möchte. Aber viele Unternehmer
würden den Fehler machen, sich zu früh um
Kapital zu kümmern. Wichtiger sei es, dass
das Produkt erst mal einen Markt findet.
4. Gründer lieben das Risiko
Der irisch-französische Ökonom Richard
Cantillon gebrauchte im Jahr 1755 erstmals
den Begriff Entrepreneur. Er beschrieb damit
jemanden, der „Risiken auf sich nimmt,
um Güter zu unsicheren Preisen zu verkaufen“.
Seitdem werden Unternehmer häufig
als waghalsige Typen beschrieben, die im
Gegensatz zu angestellten Managern Geld,
Ruf und Karriere riskieren, um risikoreiche
Entscheidungen zu treffen.
Elon Musk, CEO des Elektroautobauers
Tesla, verkörpert diesen Mythos wie kein
Zweiter. Er steckte angeblich sein komplettes
Vermögen in seine Unternehmen, sodass
er sich danach Geld borgen musste, um seine
Miete zahlen zu können. Und Facebook-
Gründer Mark Zuckerberg wiederholt bei
jeder Gelegenheit sein Mantra vom Wagnis
als einzige Chance: „Das größte Risiko geht
ein, wer gar kein Risiko eingeht.“
Aber wie bewertet die Wissenschaft das Risikoverhalten
von Otto Normalgründer? Manche
Studien attestieren Unternehmern tatsächlich
mehr Risikotoleranz als ihren Mitmenschen,
andere finden keinen Zusammenhang
zwischen Übermut und Machern.
Dazu gehören auch Hongwei Xu und Martin
Ruef, zwei Forscher der amerikanischen Eliteuniversitäten
Stanford und Princeton. Sie
verglichen in einer repräsentativen Studie
das Risikoverhalten von angehenden Unternehmern
im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.
Das Ergebnis: Die Gründer in spe
waren weniger risikofreudig als ihre Mitmenschen,
wenn es um mögliche Investitionsentscheidungen
ging. So entschieden
sich die Gründer eher dafür, eine 80-prozentige
Chance auf einen Gewinn von 1,25 Millionen
Dollar wahrzunehmen als eine
20-prozentige Chance auf einen Gewinn
von fünf Millionen Dollar. Bei der Vergleichsgruppe
war es umgekehrt. Die Autoren
der Studie schließen daraus, dass sich
Unternehmer eher nicht aus finanziellen
Gründen selbstständig machen, sondern
weil sie eigenständig arbeiten und sich
selbst verwirklichen möchten. Um diese
Ziele zu erreichen, sollten sie im Optimalfall
aber risikoscheu sein – um zu vermeiden,
dass ihre Firma scheitert. „Unternehmer gehen
keine Risiken ein“, sagt Len Green. „Sie
gehen kalkulierte Risiken ein.“ Der US-Professor
für Unternehmertum hat selbst eine
Beratungsfirma gegründet. Er betont, dass
der Unterschied zwischen Scheitern und
Erfolg darin liegt, ob jemand einfach Risiken
eingeht oder sie vorher vernünftig berechnet.
Mit anderen Worten: Nicht Waghalsigkeit
wird belohnt – sondern Mut.
5. Start-ups sind disruptiv
An dieser Stelle müssen wir uns schuldig bekennen:
Beim WirtschaftsWoche-Gründer-
wettbewerb Neumacher suggeriert schon
der Name Einfallsreichtum. Noch lieber
schmücken sich Start-ups damit, disruptiv
zu sein, also so innovativ, dass sie gleich einen
ganzen Markt umwälzen. Gerne zitieren
sie den legendären Ökonomen Joseph
Schumpeter und seine Idee von „kreativer
Zerstörung“ als Credo für Neugründungen.
Geht es nicht bodenständiger?
Und ob. Vor allem in der realen Wirtschaftswelt.
Und damit noch mal zu Schumpeter,
der Innovationen schon vor 70 Jahren deutlich
weniger unerreichbar definierte. Es gehe
darum, „neue Dinge zu tun oder Dinge,
die bereits getan werden, anders zu tun“.
Entscheidend ist also nicht die Erfindung
von etwas Neuem, sondern der neue Einsatz
etablierter Ideen. Ein Beispiel ist Ebay: Die
Firma wurde 1995 gegründet und machte
nichts weiter als eine der ältesten Erfindungen
der Menschheit – den Marktplatz – mithilfe
von Technologie in die moderne Welt
zu übertragen. Drei, zwei, eins ... fertig.
Der Entrepreneurship-Professor Paul Reynolds
von der britischen Aston-Universität
beschäftigt sich seit 40 Jahren mit der Frage,
welche Bedeutung Start-ups für die Gesellschaft
haben. Sein Fazit: „Der Anteil von
jungen Firmen, die einen Markt tatsächlich
verändern, ist sehr gering und liegt bei weniger
als fünf Prozent.“ Die große Mehrheit
würde einfach bestehende Aktivitäten nachahmen,
manchmal sogar ganze Firmen kopieren.
Damit würden sie den Kunden einen
großen Nutzen erweisen – weil der Wettbewerb
stärker wird, die Qualität steigt und die
Preise sinken.
Mit Blick auf Deutschland kommt einem unweigerlich
Oliver Samwer in den Sinn, Chef
des Start-up-Inkubators Rocket Internet.
Seinen Firmen geht der Ruf voraus, Geschäftsmodelle,
die sich bereits in den USA
etabliert haben, schnell zu kopieren und in
Europa, Asien und Afrika auszurollen. „Vielleicht
gewinnen wir nicht die höchste Auszeichnung
für die größte Innovation, aber
was macht das schon?“, sagte Samwer dazu
einmal auf einer Konferenz. „Man muss einfach
super pragmatisch sein.“
Damit ist er nicht alleine. Der US-Ökonom
Amar Bhide fand in einer Befragung der
500 wachstumsstärksten amerikanischen
Firmen heraus: Nur einer von acht Unternehmern
behauptet von sich, wegen einer
außergewöhnlichen Idee derart erfolgreich
zu sein. 88 Prozent hingegen gestanden,
dass sie ihr Geld mit einer alltäglichen Idee
verdienten – diese aber außergewöhnlich
umsetzten.
maximilian.nowroth@wiwo.de


Eine unternehmerische Weihnachtsgeschichte als Pitch

Eine unternehmerische Weichnachtsgeschichte

– gepitched von Dietmar Grichnik

Zum Anhören:

 

 

Zum Nachlesen:

Wir alle erleben die Welt in Form von Geschichten, die Weihnachtsgeschichte ist eine davon. Eine sehr alte Geschichte. Ich habe mich gefragt, wie würde heute ein Storytelling der Weihnachtsgeschichte aussehen? Im Entrepreneurship würde man ein Pitchdeck – einen Foliensatz – nach der 10/20/30-Regel von Silicon-Valley-Guru Guy Kawasaki erstellen. 10 Folien, 20 Minuten Vortrag und Schriftgrösse 30. Lassen wir Vortrag und Schriftgrösse einmal weg und konzentrieren uns auf den Entwurf der Folien.

 

Die Titelfolie würde auf Jesus von Nazareth lauten, ohne Kontaktdaten auf der Folie, schliesslich kann jeder von uns auch ohne Skype direkt mit ihm ins Gebet gehen. Also, der Messias aus der Start-up Nation Israel. Einer der High-Tech-Standorte schlechthin. Schon einmal keine schlechten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Sales- oder Investment-Pitch.

 

Regel Nummer 1 nach Guy Kawasaki: Explain yourself in the first minute and speak Englisch. Jesus spricht also im Startup-Englisch: “My name is Jesus Christ, Son of God; with my team we help sinners.“ Dann empfiehlt Kawasaki ein kleines Teufelchen auf die Schulter von unserem Entrepreneur Jesus zu setzen, der ihm ins Ohr flüstert „So what?“

 

Jesus antwortet: “With each healed sinner, we make the world a better place.“ Dazu setzen wir ein kleines Engelchen auf Jesus Schulter: “Bringe ein Beispiel, Herr.” Jesus: “For instance, with each dollar earned in the first world we spend 10 percent on solving a problem in the third world.“

 

Die nächste Folie zeigt das Problem, das es zu lösen gilt. Die Sünden der Menschheit – also nicht etwa Diätsünden oder Parksünden in der ersten Welt – „Think big!“ – Umweltsünden und humanitäre Katastrophen in der dritten Welt.

 

Dann die nächste Folie – The Solution – hier wird es schon schwieriger, aber Jesus als Hero Entrepreneur hat natürlich eine Lösung: eine Social-Coin-Währung. Du vertelefonierst Deine Swisscom-Handy-Minuten und spendest automatisch 10 Prozent für ein von Dir ausgewähltes Projekt vor Ort.

 

Nächste Folie: Das Geschäftsmodell oder verkürzt gesagt „How we make money“. Klar ist, ein Abo-Modell muss her. Und das Teufelchen flüstert Jesus ins Ohr: „Hey Jesus, wir haben eine Weltmarke und Du bist der Messias, dazu die Bibel ... mit einem Subscription-Modell werden wir reicher als diese Marks, Bills, Jeffs, Sergeys und Elons aus den USA.“ Jesus aber präsentiert ein umgekehrtes Freemium-Modell. Alle Sünder – also alle Menschen – sind zunächst Premiumnutzer, zahlen also mit Social Coins eine Prämie, um sich von den Sünden freizukaufen. Das Engelchen auf Jesus Schulter applaudiert und rechnet bereits die Anzahl Social Coins bei aktuellem Sündenstand aus; schliesslich glaubt es trotz Sündenfall unbeiirrt an das Gute im Menschen.

 

Folie Nummer 5: The Underlying Magic – eine bahnbrechende Technologie, die Secret Sauce – bei Jesus mit einem Wort „Liebe!“ – Jesus Israelischer Landsmann und Soziologe Amitai Etzioni liefert dazu den theoretischen Unterbau für eine – wie er es nennt – Verantwortungsgesellschaft. Kurz gesagt:  „Handle so, wie Du selbst behandelt werden möchtest!“

 

Und hier kommen wir zum Management-Team auf der nächsten Folie. Der CEO, Jesus Christus von Nazareth, mittellos wie fast jeder Gründer und aus einer unternehmerischen Familie mit seinem Vater als Selbstständiger im Handwerk. Der CEO noch reichlich jung, aber als kolportierter König schon im Visier der Politik; ein Musterbrecher, Change Maker und Visionär zugleich. Zunächst Solo Entrepreneur. Im Board seine Eltern, Maria und Josef als Erziehungsberechtigte und erste Finanziers – Family and Fools –, der heilige Geist als Branchenexperte und Gott als Allmächtiger, füllen die Lücken aber mehr als zufriedenstellend. Als Mitarbeiterteam für später vorgesehen – ungewöhnlich gross – zwölf Apostel mit heterogenen Kompetenzen und  Persönlichkeitsprofilen. Konflikte sind programmiert, zumal es auch Angsthasen im Team gibt, Judas und Petrus. Da auch keine vertragliche Ausstiegsklausel, vereinbart wird, gehörig Sprengstoff im Team, der dem CEO, wie so oft bei Start-ups noch zum Verhängnis werden wird.

 

Aber was ist mit Marketing und Sales – Folie 7. Jesus setzt auf virales Marketing, die Medien sollen über das Kind berichten. Dafür wird die Geschichte des Erlösers gepitched, auf den die Welt seit langem wartet. Mit speziellen Demos wie der wunderbaren Fischvermährung und Predigten wird die Zielgruppe der mittellosen Sünder angesprochen und über das zur damaligen Zeit suspekte bis illegale Schaffen als Retter der Armen angefeuert. Zu Lebzeiten campieren die Jünger vor den Flagship Locations, wenn eine neue Wunderheilung lanciert wird und der Herr auf speziellen Events mit freiem Oberkörper, immer gleich einfach gekleidet, seine Innovationen verkündet. Es vergeht einige Zeit, bis sich das Word-to-Mouth verbreitet, aber der Ansteckungseffekt ist durch die CSOs – die zwölf Apostel über den Tod des Gründers hinaus gesichert.

 

Die Folie zur Konkurrenzsituation zeigt klare Value Propositions; nach Clayton Christensen die „Jobs that need to be done“: 1. Frieden schaffen, 2. Befreiuung von der Erbsünde. Das ergibt zu anderen Weltregionen einige Überschneidungen, aber auch einige Differenzierungen. Aus der Summe der Value Propositions resultiert ein klares Alleinstellungsmerkmal – ein USP: die Liebe Gottes. Hypothesen, die es im unternehmerischen Cockpit zu validieren gilt? An erster Stelle: Unsere Kunden sind die Sünder, die bereit sind, mit Social Coins einen Ablass auf ihre Sünden zu zahlen.

 

Aber wie das geplante weltweite Wachstum finanzieren? Im Geschäftsmodell steckt klar und deutlich: Skalierung! Skalierung! Skalierung! Es wird ein Unicorn; am Ende darf es nur eine Sünder-Plattform geben; alle sind zu bekehren. Für den Start werden über die Social-Media-Plattform, the Holy Footbook, drei einflussreiche Freunde geliked, Caspar, Melchior und Balthasar – als gut bemittelte Könige sind sie die ersten Unterstützer, die sich über Amazon mit wertvollen Ressourcen ausstatten, die als Geschenke zum Start die Existenz sichern. Für die Reise buchen sie einen Uber-Esel. Den beschwerlichen Weg erleichtert ihnen Google Maps, das die kleine Krippe trotz ihrer entlegenen Lage bestens lokalisiert und per Stern-Navigation – wer brauch schon GPS – den Weg weist. In der Krippe, der Gründergarage, ist via AirBnB auch ein erstes Lager schnell gefunden. Die Reisenden geniessen mit der heiligen Familie die heimliche und gemütliche Atmosphäre unter einem Dach; vor allem völlig unentdeckt von der NCA – der National Census Association –, die im Auftrag von Kaiser Augustus bereits ihre digitalen Hescher aktiviert hat. Und jetzt das Erstaunliche: Eine weitere Finanzierung ist nicht vorgesehen. Die Geldvermittler werden später vom CEO aus dem Tempel in Jerusalem vertrieben. Bootstrapping mit den vorhandenen Mitteln. Und die Technologie „Liebe“ soll als viel machtvollerer Schmierstoff einen Ansteckungseffekt erzeugen.

 

So bleibt die nächste Folie zu den Financials und Key Metrics auch weitestgehend leer – nur eine Zahl: Die Conversion Rate von Sündern zu Engeln – Zweistellig! Dem kleinen Teufelchen auf Jesus Schulter wird es schlecht, das Engelchen reibt sich die Hände.

 

Und dann die zehnte und letzte Folie „Current Status, Accomplishements to Date and Timeline“. Nun, Marktstart und Wachstum wurden realisiert und das global; aber weitaus langsamer als geplant – es dauert immer doppelt so lange und wird doppelt so teuer. Hier dauert es noch länger: Über 2000 Jahre und immer noch kein Ende in Sicht. Die Konkurrenz wird härter und gefährdet den USP; Liebe ist nicht mehr zwingend angesagt; Egoismen und Kommerz bestimmen das Weltbild; andere Anbieter von Religion gehen aggressiv in den Markt und machen den Blue Ocean zu einem blutgetrenkten Red Ocean. Aber die Nachfolger in der X-ten Generation zeigen die Gründertugend schlechthin: Durchhaltevermögen; sie halten unbeirrt an Glauben und Werten fest.

 

Tatsächlich gibt es dieses Venture, Social Founders, wo ich seit einiger Zeit als Business Angel investiert bin. Der CEO heisst nicht Jesus, sondern Stephan. Es hat mehr mit Business als mit Angel zu tun, aber das Team beeindruckt mich fortwährend damit, wie man mit unternehmerischer Kraft und mit technischen Innovationen auf Basis geteilter Werte die Welt ein kleines wenig besser machen kann. Das macht unser Betätigungsfeld als Unternehmerinnen und Unternehmer so wertvoll und lohnt jede Anstrengung, weil wir ähnlich wie vielleicht seinerzeit bei der Industrialisierung am Anfang einer neuen Epoche stehen. Die Digitalisierung und Vernetzung erlaubt uns in ungeahnter Form, unternehmerische Wirkung in dieser Welt zu erzielen. Ich glaube, sie kann es mehr denn je gebrauchen.

 

Frohe Weihnachten!